Die etwas andere Geschichtsstunde
Ivar Buterfas in der St. Pterkirche

Bericht: Christian Dieling | Fotos: Christian Dieling

NATIONALSOZIALISMUS Ivar Buterfas gab vor 700 Schülern seine letzte Vorstellung, in welcher er jungen Menschen über sein Leben im Nationalsozialismus berichtet.

Von Christian Dieling

Wilhelmshaven - mehr als 700 Schüler sitzen in der fast überfüllten St. Peter Kirche und warten. Dann ergreift Dagmar Buterfas das Wort und berichtet über schwere Zeiten in ihrem Leben und ruft dazu auf, dass es sich lohne zu kämpfen. "Wenn es mit dem Abi nicht klappt, einfach nochmal versuchen" sagt sie. "Es lohnt sich" - Stille.

Ihr 75-jähriger Mann bricht die Stille. Er sei nicht gekommen, um seinen Zuhörern Schuld zuzuweisen, denn was könnten die für die Taten ihrer Groß- und Urgroßeltern. Vergeben habe er schon vor langem, aber vergessen werde er nie. Er sei gekommen um mit einer Generationslüge Schluss zu machen: "Das haben wir alle nicht ge-wusst".
Jeder sei Verantwortlich die Demokratie zu schützen, damit sich derartiges nie wiederholt. Denn die Menschen hätten aus der Geschichte nur eins gelernt: Dass sie nichts aus ihr gelernt haben.

Ivar Buterfas ist am 16. Januar 1933 als Sohn eines jüdischen Vaters und einer christli-chen Mutter geboren worden. Wenige Tage später wurde Adolf Hitler Reichskanzler des Deutschen Reiches. Er erinnert an seine nur 6-wöchige Schulzeit.
Der Schulleiter habe den kleinen Ivar vor der ganzen Klasse nach Hause geschickt "Du darfst nicht mit auf den Ausflug" habe er gesagt. Dies war sein vorerst letzter Schultag. Übera-schend kraftvoll redet Ivar Buterfas.

Das niemand von den schrecklichen Taten wusste, sei eine Lüge. Jeder hätte es in Hitlers Buch "Mein Kampf" nachlesen können. Hier sprach er bereits von Lebensraum im Osten, der Ausrottung der Juden. Buterfas berichtet von der sog. Arisierung, der auch seine wohlhabende Verwandtschaft zum Opfer fiel. Jüdisches Vermögen wur-de verteilt.
Außerdem berichtet er von der systematischen Diskriminierung der Juden. Am Ende waren sie nur noch eine Nummer, die man ihnen auf den Unterarm täto-wierte.

Nun spricht er die über 700 Schüler direkt an und ruft zu dem Schutz der "wundervol-len Demokratie" auf, in der sie leben. Jeder habe eine Chance verdient. Jeder der einen Neonazi zurück holt aus der braunen Falle rettet damit die Demokratie.

Noch immer lauschen die Schülerinnen und Schüler gebannt seinen Worten. Dann bittet er zum Abschluss um Fragen, es gäbe keine dummen Fragen. Nach Andert-halb Stunden ist eine etwas andere Geschichtsstunde zu Ende. Viel Applaus, stehen-de Ovationen. Was bleibt ist der Respekt vor einem sehr sympathischen, alten Mann und der Apell unsere "wundervolle Demokratie" zu schützen.